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Montag, 21 März 2016

Schützt Milch vor Campylobacter-Infektionen?

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Schützt Milch vor Campylobacter-Infektionen?
© Erich Westendarp / pixelio.de

Campylobacter-Infektionen gehören weltweit zu den häufigsten lebensmittelassoziierten Erkrankungen. In Deutschland treten im Durchschnitt knapp 78 Campylobacter-Fälle pro 100.000 Einwohner auf. Im Jahr 2013 kam es insgesamt zu 63.636 gemeldeten Infektionen, im Jahr 2012 zu 62.880 Fällen und in 2011 zu 71.307 Fällen. Damit sind Campylobacter-Bakterien in Deutschland noch vor den Salmonellen die häufigsten Auslöser für bakteriell bedingte Darmentzündungen. Als Hauptinfektionsquellen gelten unzureichend erhitztes oder kontaminiertes Geflügelfleisch, nicht pasteurisierte Milch und Hackfleisch, aber auch an Durchfällen erkrankte Heimtiere. Die Erkrankung ist meldepflichtig. Durchfallerkrankungen infolge einer Campylobacter-Infektion können zu Komplikationen mit schwersten neurologischen Symptomen bis hin zu Querschnittslähmungen und Todesfällen führen („Guillain-Barré-Syndrom“).

Es ist seit Langem bekannt, dass das Stillen den Säugling vor infektiösen Erkrankungen schützen kann. Durch eine Pasteurisierung der Kuhmilch werden Campylobacter-Bakterien sicher abgetötet. Daher stellt sich die Frage, ob durch eine Wärmebehandlung von Säuglingsmilchzubereitungen ein möglicher Schutz vor bakteriellen Infektionen verloren geht. Hierüber liegen in Bezug auf Campylobacter keine wissenschaftlich gesicherten Daten vor. Pasteurisierte Milch und Formula-Zubereitungen sind somit frei von Krankheitserregern und weisen eine „kontrollierte Qualität“ auf. Der Effekt auf die Infektiosität von Campylobacter-Keimen bleibt jedoch unklar.

Vor diesem Hintergrund berichten Wissenschaftler des Medizinischen Zentrums der Erasmus-Universität in Rotterdam in einer Fachzeitschrift über die Ergebnisse mit Zellkulturen von Darmzellen unter Einsatz von Milch verschiedener Tierarten sowie von Formula-Zubereitungen und den Einfluss dieser Produkte auf die Invasion von Campylobacter-Keimen in die Epithelzellen („Caco-2-Zellen“). Es wurde festgestellt, dass alle in die Untersuchung einbezogenen Milchprodukte die Invasion von Campylobacter-Keimen in diese Zellen in dosisabhängiger Weise modulieren. Kontrollversuche zeigten, dass die Milchen für die Caco-2-Zellen nicht toxisch waren und dass der Einfluss auf die Invasion durch hitzelabile (beispielsweise Milcheiweiße) oder hitzestabile (beispielsweise Zucker oder Lipide) Komponenten verursacht wird.

Mit dieser in vitro-Studie konnte erstmalig gezeigt werden, dass pasteurisierte und Formula-Milchen die Invasion von Campylobacter beeinflussen. Daher wird eine prospektive Studie empfohlen, um den Einfluss pasteurisierter Milchen und von Formula-Zubereitungen auf Campylobacter-Erkrankungen zu untersuchen.

Quelle:
► „Milk Modulates Campylobacter Invasion into Caco-2 Intestinal Epithelial Cells” (DOI: http://dx.doi.org/10.1556/1886.2015.00019)

Bild: www.pixelio.de

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