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Montag, 01 Juni 2015
Aluminium
© Kurt Michel / pixelio.de

Sehr weit verbreitet ist Aluminium im Lebensmittelbereich. In der Verpackungsindustrie ist Aluminium auf Grund seiner hervorragenden Barriereeigenschaften gegen Sauerstoff, Wasserdampf, sowie Migration chemischer Substanzen sehr weit verbreitet Die wichtigsten Einsatzgebiete sind Dosen sowie Aluminiumfolien, die wiederum in vielen Verbundverpackungen wie Getränkekartons, Standbodenbeuteln, etc. verarbeitet werden. In den allermeisten Lebensmittelverpackungen kommt das verpackte Lebensmittel nicht direkt mit Aluminium in Kontakt, da die Aluminiumbarriere normalerweise nicht die produktberührende Schicht ist, sondern noch einmal lackiert, kaschiert oder anderweitig beschichtet wird. Ausnahmen sind z. B. Aluminiumfolien in Schokoladenverpackungen.

Wichtigste Einsatzgebiete
Aluminium ist in den meisten Lebensmitteln als Spurenelement enthalten. Unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel enthalten durchschnittlich weniger als 5 mg/kg in der Frischmasse. Schwarzer Tee kann Gehalte von bis zu 1000 mg/kg in der Trockenmasse aufweisen. Aluminium oder Aluminiumverbindungen sind als direkte Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Es handelt sich dabei um:

  • Aluminium (E 173) (darf ausschließlich eingesetzt werden, um Überzüge von Zuckerwaren, Kuchen oder Feinen Backwaren zu dekorieren)
  • um die Stabilisatoren Aluminiumsulfat (E 520), Aluminiumnatriumsulfat (E 521), Aluminiumkaliumsulfat (E 522) und Aluminiumammoniumsulfat (E 523) (Aluminiumsulfat wird chemisch aus aluminiumhaltigen Substanzen gewonnen. Es ist als Festigungsmittel und Stabilisator zugelassen und bildet mit Eiweißen feste Verbindungen, was man sich zum Ausfällen bestimmter Substanzen bei der Trinkwasseraufbereitung zunutze macht. Außerdem bindet es fest an Pektin, was Früchten eine höhere Festigkeit verleiht. Es ist in bestimmten Mengen ausschließlich für Eiklar, glasiertes, kandiertes oder kristallisiertes Obst und Gemüse zugelassen.), sowie
  • um die als Trennmittel eingesetzten Kieselsalze Natriumaluminiumsilikat (E 554), Kaliumaluminiumsilikat (E 555), Calciumaluminiumsilikat (E 556) und Aluminiumsilicat (Kaolin E 559) (Silicat-Kristalle können pulverförmige Lebensmittel rieselfähig halten. Sie sind deswegen in der Lebensmittelindustrie als Trennmittel in begrenzten Mengen für bestimmte Lebensmittel zugelassen. Dazu gehören z. B. Trockenlebensmittel in Pulverform, Käse, in Scheiben oder gerieben, Würzmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Kochsalz und Kochsalzersatz.)


Sonstige Bedarfsgegenstände
Aluminium wird in weiteren Bedarfsgegenständen, wie Kochgeschirr, Backbleche, Haushaltsaluminiumfolie oder Grillschalen verwendet. Bei der Verarbeitung von Lebensmitteln wird Aluminium z. B. auch in Maschinen und Werkzeugen eingesetzt.

Sonstige Anwendungsgebiete
Aluminium wird in vielen Medikamenten, insbesondere in Antazida (magensäurebindende oder durchfallhemmende Medikamente) eingesetzt. Ebenfalls aluminiumhaltig sind häufig Zahnfüllungen und Zahnpasta, Nasensprays, Deodorants und Zigarettenfilter.

Rechtliche Grundlage/ Beschränkungen
Für Aluminium oder Aluminiumverbindungen in Lebensmittelverpackungen bestehen heute keine rechtlich bindenden Einschränkungen. Das Council of Europe hat in seinen 2013 überarbeiteten „Guidelines on metals and alloys as food contact materials“ ein spezifisches Freisetzungslimit (specific release limit [SRL]) von 0,9 mg/kg Lebensmittel definiert (SRL im Gegensatz zu einem klassischen SML, da metallisches Aluminium nicht migriert, sondern erst im sauren oder alkalischen Medium zu löslichen Verbindungen reagieren muss, die dann in das Lebensmittel migrieren können), allerdings sind viele Aluminiumverbindungen, inklusive Aluminiumspäne, -flocken oder -pulver in der Kunststoffverordnung EU Nr. 10/2011 ohne ein spezifisches Migrationslimit gelistet und weitere Salze des Aluminiums sind nach Artikel 6 der Verordnung von der Listung auf der Positivliste befreit. Die von der WHO ermittelte und von der EFSA bestätigte tolerierbare wöchentliche Aufnahme (tolerable weekly intake TWI) liegt seit 2006 bei 1 mg/kg Körpergewicht.

Nach einer Schätzung nimmt der erwachsene Europäer im Durchschnitt zwischen 1,6 und 13 mg Aluminium pro Tag über die Nahrung auf. Dies entspricht einer wöchentlichen tolerable weekly intake Aufnahme von 0,2 bis 1,5 mg Aluminium pro kg Körpergewicht bei einem 60 kg schweren Erwachsenen. Die großen Unsicherheiten beruhen auf den unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten und der variablen Gehalte an Aluminium in den Lebensmitteln (Scientific Opinion of the Panel on Food Additives, Flavourings, Processing Aids and Food Contact. Materials on a request from European Commission on Safety of aluminium from dietary intake. The EFSA Journal (2008).754, 1–34)). Leider kann aus den vorliegenden Daten nicht zwischen der Aufnahmemenge, welche aus dem Kontakt mit Bedarfsgegenständen resultiert und der Aufnahmemenge aus dem Lebensmittel an sich geschlossen werden.
Als Reaktion auf die in 2008 dokumentierte, zu hohe Aufnahme von Aluminium wurde 2012 die Änderungsverordnung EU Nr. 380/2012 hinsichtlich der für aluminiumhaltige Lebensmittelzusatzstoffe geltenden Verwendungsbedingungen und -mengen erlassen. Das aluminiumhaltige Bentonit (E 550) wurde aus der Liste gestrichen, da es nicht mehr verwendet wird, die Zusatzstoffe Calciumaluminiumsilicat (E 556) und Aluminiumsilicat (Kaolin, E 559) sollen von der Liste gestrichen werden, da diese durch andere Lebensmittelzusatzstoffe ersetzt werden können. Eine Änderung der rechtlichen Regelungen von aluminiumhaltigen Bedarfsgegenständen scheint bisher nicht gerechtfertigt. Sowohl die EFSA als auch das BfR betonen, dass sie weitere Daten zu einer neuen Risikobewertung benötigen.

Fazit
Ein Überschreiten der tolerierbaren wöchentlichen Aufnahmemenge macht ein Handeln sicherlich erforderlich, allerdings ist auf Grund des weit verbreiteten Einsatzes und Vorkommens von Aluminium sowohl in Lebensmittelverpackungen als auch im Lebensmittel selbst nicht ersichtlich, an welcher Stelle eine Reduzierung der Aufnahmemengen am besten erreicht werden könnte. Der Einsatz von Aluminium oder Aluminiumfolie als Bestandteil von Verpackungen im nicht sauren Lebensmittelbereich ist auf Grund des geringen Migrationspotentials als unbedenklich einzuschätzen. Generell sollte über den Einsatz einer zusätzlichen Beschichtung von Aluminium als Mittel zur weiteren Reduzierung des Migrationsrisikos nachgedacht werden.
Trotz gegenteiliger Medienberichte wird der grundsätzliche Einsatz von Aluminium von den öffentlichen Risikobewertern (WHO, EFSA, BfR) nach wie vor als nicht gefährlich eingestuft. Natürlich steht diese Einschätzung unter Vorbehalt, sollten neue wissenschaftliche Erkenntnisse eine Revision nötig machen. Zurzeit scheinen jedoch noch keine neuen Studien vorzuliegen, die eine solche Überarbeitung notwendig machen würden.

Praxishandbuch Lebensmittel-Verpackungen

Bild: www.pixelio.de

Behr's Verlag