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Montag, 29 Juni 2015

Erfrischungsgetränke – Unterschiede Vorverpackung und Außenverpackung

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Erfrischungsgetränke – Unterschiede Vorverpackung und Außenverpackung
© Cornerstone / pixelio.de

In der Europäischen Union gibt es keine einheitlichen Kategorien für Erfrischungsgetränke. Während Fruchtsaft und -nektar wie auch Mineral- und Quellwasser durch besondere EG-Richtlinien geregelt sind, bestehen für Erfrischungsgetränke solch spezielle Regelungen nicht. Nach der Definition von UNESDA, dem europäischen Dachverband der Erfrischungsgetränke-Industrie, ist ein Erfrischungsgetränk ein „nichtalkoholisches aromatisiertes Getränk auf Wasserbasis“. Es ist in der Regel „gesüßt, gesäuert und kohlensäurehaltig und kann Frucht, Fruchtsaft und Mineralsalze enthalten; sein Geschmack rührt auch von Aromen oder Frucht- und Pflanzenauszügen her“.

Auch im nationalen Bereich gibt es keine produktspezifische gesetzliche Regelung. Die Beurteilungsgrundlage ist damit die allgemeine Verkehrsauffassung.

Diese ist niedergelegt in den Leitsätzen für Erfrischungsgetränke des Deutschen Lebensmittelbuches. Es handelt sich dabei um eine gutachterliche Äußerung aller in Betracht kommenden Kreise.
Im Sinne der Leitsätze für Erfrischungsgetränke gehören in Deutschland zu den Erfrischungsgetränken die

  • Fruchtsaftgetränke
  • Fruchtschorlen
  • Limonaden
  • Brausen.

Fruchtsaftgetränke sind Erfrischungsgetränke, deren Geschmack im Wesentlichen durch ihren Fruchtsaftgehalt bestimmt sind: bei Zitrussaft beträgt er mindestens 6 %, bei den anderen Fruchtsäften 10 % oder mehr, bei Apfelsaft mindestens 30 %. Es besteht keine Begrenzung für die Zugabe von Zucker.

Fruchtschorlen sind Erfrischungsgetränke, die Folgendes enthalten: Fruchtsaft, Fruchtsaftkonzentrat, Fruchtmark, Fruchtmarkkonzentrat oder Mischungen daraus, jeweils auch haltbar gemacht, Trinkwasser, natürliches Mineralwasser, Quellwasser und/oder Tafelwasser sowie Kohlensäure. Der Fruchtgehalt von Fruchtschorlen entspricht den in der Verordnung über Fruchtnektar und Fruchtsirup genannten Mindestgehalten; dies gilt auch für Mischungen.

Limonaden sind Erfrischungsgetränke, die natürliche Auszüge von Früchten und Pflanzen enthalten, teilweise zusätzlich auch Fruchtsaft. Wenn Fruchtsaft der Limonade zugesetzt wird, beträgt der Fruchtsaftgehalt mindestens die Hälfte der bei Fruchtsaftgetränken üblichen Fruchtgehalte.

Zu den Limonaden gehören auch koffeinhaltige Kolagetränke und die meisten Energydrinks.

Brausen sind kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke. Im Gegensatz zu Fruchtsaftgetränken, Fruchtschorlen und Limonaden werden sie nicht nur aus natürlichen Stoffen hergestellt, sondern können auch künstliche oder naturidentische Aroma- und Farbstoffe enthalten.

Fassbrausen sind Getränke, die aus natürlichen Frucht- und Kräuterzusätzen sowie aus Malzextrakt oder alkoholfreiem Bier hergestellt werden.

Die verpflichtenden Informationen über Lebensmittel beinhaltet für alkoholfreie Getränke Art. 9 LMIV:

  • die Bezeichnung des Lebensmittels,
  • das Verzeichnis der Zutaten,
  • die Zutaten und Hilfsstoffe gemäß Anhang II, die Allergien und Unverträglichkeiten auslösen,
  • die Menge bestimmter Zutaten,
  • die Nettofüllmenge,
  • das Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verbrauchsdatum,
  • ggf. besondere Anweisungen für Aufbewahrung und/oder Verwendung,
  • der Name des Lebensmittelunternehmers,
  • das Ursprungsland oder der Herkunftsort (falls nach Art. 26 LMIV vorgesehen),
  • eine Gebrauchsanleitung (falls erforderlich),
  • die Angabe des Alkoholgehalts für Getränke mit mehr als 1,2 % Volumen Alkohol sowie
  • eine Nährwertdeklaration.

Der Umfang der Kennzeichnungspflicht richtet sich auch nach der Art der Verpackung des Lebensmittels.

Dabei werden unterschieden

  • Vorverpackungen (Art. 2 Abs. 2 Buchstabe e) LMIV) und
  • Außenverpackungen.

Die LMIV versteht unter einem „vorverpackten Lebensmittel“ jede Verkaufseinheit, die als solche an den Endverbraucher abgegeben werden soll und die aus einem Lebensmittel und dessen Verpackung
besteht. Entscheidend ist, dass der Inhalt nicht verändert werden kann, ohne dass die Verpackung geöffnet werden muss (z. B. Flaschen, Dosen, Fässer, Sixpack).

Sämtliche verpflichtende Angaben müssen auf der Vorverpackung selbst oder einem mit ihr verbundenen Etikett gemacht werden (Art. 12 Abs. 2 LMIV).

Ausgehend von der Regelung des LMIV, nach der Vorverpackungen nur solche sind, die physisch beschädigt werden müssen, um auf das Lebensmittel zugreifen zu können, muss dieses Merkmal auch für solche Außenverpackungen gelten, in denen ein Produkt „vermarktet“ wird.

Gemäß Art. 8 Abs. 7 LMIV müssen auf Außenverpackungen die Bezeichnung des Lebensmittels, das Mindesthaltbarkeitsdatum und der Inverkehrbringer aufgedruckt werden.

Keine Außenverpackungen sind Getränkekästen, offene Bottlemaster und Trays, da bei diesen die Flaschen bzw. Dosen entnommen werden können, ohne sie zu beschädigen. Es müssen daher auf diesen Gebinden keine Pflichtangaben angebracht werden.

Im Hinblick auf eine Ummantelung mit Schrumpffolie ist allerdings noch folgendes zu beachten:

Werden z. B. Trays und Fassdosen zum Transport mit Schrumpffolie ummantelt, handelt es sich um eine Außenverpackung mit der Folge, dass auf den Tray bzw. der Folie

  • das Mindesthaltbarkeitsdatum,
  • die Bezeichnung des Lebensmittels und
  • der Inverkehrbringer

angegeben werden müssen.

Wird allerdings die Folie vor dem Aufstellen in der Verkaufsstelle nicht entfernt, handelt es sich um eine Vorverpackung, die sämtliche Pflichtangaben tragen muss. Der Erstinverkehrbringer kann und muss, um sich der Kennzeichnungspflicht zu entledigen, dafür Sorge tragen, dass sein Abnehmer vor Abgabe an den  Endverbraucher die Schrumpffolie entfernt (gegebenenfalls durch Aufkleber auf der Folie mit dem Hinweis „vor Abgabe an den Endverbraucher ist die Schrumpffolie zu entfernen“).

Soweit Trays allerdings einen Blick auf die einzelnen Verpackungen erlauben und die dort angegebenen Pflichtkennzeichnungen erkannt werden können, ist bei Abgabe der Trays oder der Abgabe einzelner Gebinde derselben eine Angabe der Pflichtangaben auf den Trays selbst nicht erforderlich.

Ausnahmen von dieser grundsätzlichen Regelung betreffen Glasflaschen zur Wiederverwendung, die eine nicht entfernbare Aufschrift tragen (sog. Dauerverbandflaschen) sowie Verpackungen, deren größte Oberfläche weniger als 10 cm² beträgt. In diesen Fällen sind nur die Angaben gemäß Artikel 9 Abs. 1 Buchstaben
a), c), e), f) und l) vorgeschrieben bzw. nur die in Artikel 9 Abs. 1 Buchstaben a), c), e) und f).

► Praxishandbuch Lebensmittelkennzeichnung 57. Aktualisierung 2015 B. Behr‘s Verlag 

Bild: www.pixelio.de

Weitere Informationen finden Sie in folgenden Werken:

Recht der Getränkewirtschaft

Praxishandbuch Lebensmittelkennzeichnung

Behr's Verlag