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Montag, 26 Dezember 2016

Wissenschaftliche Netzwerke und Zusammenarbeit in der EU

EFSA

Bereits im Jahr 2013 kamen die Chefs der EU-Behörden/-Agenturen überein, Netzwerke zu bilden, um institutionsübergreifende Themen innerhalb der Gemeinschaft zu behandeln und abzustimmen. Dieses führte unter anderem zu einem Netzwerk zur wissenschaftlichen Beratung (EU Agency Network on Scientific Advice (EU-ANSA)). Dieses Netzwerk hält enge Verbindungen zum Europäischen Parlament und verschiedenen Generaldirektionen wie Forschung & Innovation oder Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission. Damit soll der Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen, Daten und sonstigen Informationen sichergestellt werden. Die Zusammenarbeit der EFSA mit vier weiteren EU-Behörden/ -Agenturen sowie die aktuellen Schwerpunkte dieser Kooperation werden nachstehend zusammengefasst.

EFSA und Europäisches Zentrum  für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC)

Ein besonders wichtiger Bereich betrifft die Zusammenarbeit zwischen der EFSA und dem ECDC. Hierzu gehört ein regelmäßiger und informeller Austausch zu Zoonosen, d. h., der vom Tier auf den Menschen bzw. von Menschen auf Tiere übertragbaren Krankheiten und damit zusammenhängenden Fragestellungen und Probleme. Im Jahresbericht 2015 werden folgende Themen und Aktivitäten herausgestellt:

  • Molekulare Typisierung: Auf der Grundlage von zwei spezifischen Mandaten arbeiten die EFSA und das ECDC intensiv zusammen, um Datenbanken für die Sammlung molekularer Typisierungsdaten zu vervollständigen. Dieses betrifft vorrangig Daten zur Pulsfeldgelelektrophorese (PFGE) und der Multiple Loci Variable Number Tandem Repeat Analysis (MLVA) für Salmonellen, Listeria monocytogenes und Shigatoxin bildende Escherichia coli. Die EFSA ist verantwortlich für das Management der Datenbanken bei Isolaten aus Lebensmitteln, Futtermitteln, Tieren und dem Umfeld. Das ECDC übernimmt die Datenbank für humane Isolate. Die EFSA und das ECDC führen mit Unterstützung der zuständigen EU-Referenzlaboratorien Analysen der molekularen Typisierungsdaten durch, die sich in einer gemeinsamen Datenbank beim ECDC befinden und Bedeutung für die Detektion und die Bewertung von Erkrankungsausbrüchen in mehreren Ländern besitzen.
  • Vollgenomsequenzierung (WGS): Zu dieser wichtigen mikrobiellen Typisierungsstrategie mit hohem Zukunftspotenzial  (Identifizierung ursächlicher Produkte und Erreger bei Krankheitsausbrüchen) besteht ein regelmäßiger Austausch zwischen der EFSA und dem ECDC über die WGS-Strategie und damit zusammenhängende Fragestellungen. Über die von der EFSA geförderten Projekte in diesem Bereich wird das ECDC regelmäßig informiert und ist eingeladen, an den Projekttreffen teilzunehmen.
  • Zoonosen: Jedes Jahr veröffentlichen die EFSA und das ECDC gemeinsame Berichte über „Trends und Ursachen von Zoonosen, zoonotischen Erregern und lebensmittelassoziierte Krankheitsausbrüche“. Gemeinsam wurde ein Gutachten über die „Infektionen mit Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm) bei Tieren“ erarbeitet. Dabei stellte das ECDC die Humandaten über Echinococcus-Infektionen zur Verfügung, die für das Gutachten unverzichtbar waren.
  • Antimikrobielle Resistenz: Jedes Jahr veröffentlichen die EFSA und das ECDC gemeinsam den „EU-Bericht über antimikrobielle Resistenz bei zoonotischen und Indikator-Bakterien von Menschen, Tieren und aus Lebensmitteln“. Dabei erfolgte auch eine enge Zusammenarbeit mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA). Ein erster gemeinsamer Bericht behandelte die „Integrierte Analyse über den Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe und das Vorkommen der antimikrobiellen Resistenz bei Bakterien vom Menschen und lebensmittelproduzierenden Tieren“ (JIACRA-Report).
  • Untersuchungen internationaler lebensmittelassoziierter Ausbrüche: Eine enge Zusammenarbeit zwischen der EFSA und dem ECDC besteht bei Untersuchungen über den Ausbruch länderübergreifender lebensmittelassoziierter zoonotischer Erkrankungen. Die Beiträge der EFSA beziehen sich insbesondere auf die Lieferung von Daten aus dem Zoonosen-Monitoring und Erkenntnissen zu lebensmittelassoziierten Ausbrüchen. Bedeutsam sind darüber hinaus Analysen der „Lebensmitteldaten“ und Hinweise über Verbindungen zu verdächtigen Lebensmittelquellen und den Erkrankungen der Menschen.
  • Vektorassoziierte Erkrankungen in der EU: Ein spezielles Projekt („Vector- Net“) befasst sich mit der Sammlung von Daten über die geografische Verteilung von Vektoren in Europa und im mediterranen Gebiet, die Krankheitserreger bei Menschen und/oder Tieren übertragen. Die Zusammenarbeit in diesem Gremium trägt dem „One-Health- Konzept“ Rechnung. Entsprechende Untersuchungen wurden in mehr als 20 Ländern durchgeführt.
  • Weitere Themen intensiver Zusammenarbeit sind bzw. waren der Ebola- Ausbruch in Westafrika (Übertragungsrisiken durch Haustiere nach Kontakt mit menschlichen Ebola- Fällen?) und die nach wie vor aktuelle Aviäre Influenza.

EFSA und Europäische  Chemikalienagentur (ECHA)

Die Zusammenarbeit zwischen der EFSA und der ECHA bezieht sich schwerpunktmäßig auf die Beurteilung von Umweltrisiken, die Charakterisierung von chemischen Gefahren und die Bewertung von Nanomaterialien. So werden Methoden der Risikobewertung für Pestizide, Biozide und Industriechemikalien harmonisiert. Im Bereich der Pestizide ist die Kommunikation zwischen der EFSA, der ECHA und der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) besonders wichtig, um mögliche Diskrepanzen frühzeitig zu identifizieren und Divergenzen in der wissenschaftlichen Beurteilung zu vermeiden. Dieses Arbeitsfeld ergibt sich beispielsweise aus der Tatsache, dass die gleichen Pestizidwirkstoffe in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden, beispielsweise als Pflanzenschutzmittel und als Tierarzneimittel.

Einige Beispiele für die Zusammenarbeit der EFSA und der ECHA:

  • Bisphenol A (BPA): Vorschlag für eine Begrenzung von BPA in Thermopapier;
  • Sicherheit von Nanomaterialien: In diesem Bereich sind noch zahlreiche Fragen offen. Die ECHA nimmt am „Nanotechnologie-Netzwerk“ der EFSA intensiv teil;
  • Pestizide: Hier sollen neue oder verbesserte wissenschaftliche Ansätze entwickelt werden, um die Risikobewertung für Rückstände im Boden unter europäischer Gesetzgebung zu entwickeln bzw. zu verbessern.

EFSA und Europäische  Umweltagentur (EEA)

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen die für verschiedene Elemente der Umweltrisikobewertung. Das Setzen von „Schutzzielen“ ist ein wichtiger erster Schritt für die Risikobewertung und erfordert einen intensiven Dialog zwischen Risikobewertern, Risikomanagern und allen anderen betroffenen Kreisen („Stakeholder“). Im September 2015 wurde ein Projekt erörtert, in dessen Rahmen ein „Werkzeug“ für die Bewertung von Umweltrisiken und deren Auswirkungen entwickelt werden soll. Damit könnten Umweltrisiken auf EU-Ebene kartografisch erfasst werden, beispielsweise im Pestizidbereich oder im Zusammenhang mit der Pflanzengesundheit. Art und Umfang der zu liefernden Daten werden noch diskutiert.

EFSA und Europäische  Arzneimittelagentur (EMA)

Hier besteht ein regelmäßiger Dialog zwischen beiden Behörden über potenziell überlappende Themen. So ist die EMA an folgenden EFSA-Themen aktiv beteiligt:

  • Antimikrobielle Resistenz: Hier arbeiten die Europäische Kommission, die EFSA und die EMA zusammen bei zwei Gutachten zu dieser Thematik:
    – „Maßnahmen zur Reduktion des Einsatzes antimikrobieller Wirkstoffe in der Tierhaltung in der EU und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit“ und
    – „Risiken für die Entwicklung einer antimikrobiellen Resistenz bei der Kälberfütterung mit antibiotikahaltiger Milch“.
  • Tiergesundheit: gemeinsames Gutachten zur „Oralen Impfung von Füchsen und Marderhunden gegen Tollwut“. Eine weitere Zusammenarbeit bezieht sich auf ein Gutachten über „Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm) bei Tieren“. Die beiden Gutachten wurden im Juli bzw. Dezember 2015 veröffentlicht.
  • Weitere aktive Zusammenarbeiten beziehen sich auf den Pestizidbereich (Einsatz gleicher Wirkstoffe im Pflanzenschutz und in Arzneimitteln) und die Umweltrisikobewertung (Konzentration, Verhalten und Auswirkungen von Tierarzneimitteln in der Umwelt).

Aus der vorstehenden Darstellung und den ausgewählten Themen bzw. Beispielen wird deutlich, dass die EFSA eine proaktive Rolle im Koordinationsnetzwerk mit anderen EU-Agenturen/Behörden hat. Details sind dem Jahresbericht 2015 (in englischer Sprache) zu entnehmen.

QUELLEN:
► Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA):
www.efsa.europa.eu/sites/default/files/InteragencyScientificCooperationAnnualReport2015.pdf
► Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC):
http://ecdc.europa.eu/en/publications/Publications/antimicrobial-resistance-JIACRAreport.pdf
http://bookshop.europa.eu/ (ISBN: 978-92-9199-692-6)

Food & Hygiene Praxis, Behr's Verlag, Ausgabe 02/2016, S. 4f.

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