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Montag, 29 August 2016

Beanstandungen bei Tieren und Lebensmitteln 2014

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Tierarzneimittel und unerwünschte Stoffe

Beanstandungen bei Tieren und Lebensmitteln 2014
© Rainer Sturm, www.pixelio.de

In einen umfassenden Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) werden die Monitoringdaten für eine Reihe von Tierarzneimitteln, nicht zugelassenen Stoffen und Kontaminanten zusammengefasst, die in Tieren und Lebensmitteln tierischen Ursprungs nachgewiesen wurden. Im Jahr 2014 wurden von den 28 EU-Mitgliedstaaten insgesamt 736.907 Proben gemeldet – ein Rückgang im Vergleich zu den mehr als eine Million Proben des Vorjahresberichtes mit den Daten aus 2013. Im Jahr 2014 wurden bei den „gezielten“ Stichproben, d. h. Proben zur Aufdeckung der illegalen Anwendung bzw. zur Kontrolle der Einhaltung von Höchstmengen, ein leichter Anstieg nicht-konformer Proben mit 0,37 % –, verglichen mit 0,25 % bis 0,34 % in den vorangegangenen sieben Jahren – festgestellt. Insgesamt zeigen die gemeldeten Daten eine hohe Einhaltungsquote der rechtlichen Vorgaben und belegen die Sinnhaftigkeit des EU-Monitoringsystems und dessen Beitrag zum Verbraucherschutz.

Rückstände an Tierarzneimitteln, chemische Kontaminanten und sonstige nicht zugelassene Substanzen können ein Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen. Im Rechtsrahmen der EU werden Höchstgehalte, die in Lebensmitteln zugelassen sind und nicht überschritten werden dürfen sowie Verbote für bestimmte Stoffe definiert. Monitoringprogramme sollen über das Vorhandensein dieser Substanzen in der Lebensmittelkette Informationen vermitteln.

Der rechtliche Rahmen mit seinen Vorgaben

Höchstgehalte für Tierarzneimittelrückstände bei Lebensmittel produzierenden Tieren und in von Tieren stammenden Produkten finden sich in der Verordnung (EU) Nr. 37/2010. Die Höchstgehalte für Pestizide in oder auf Lebensmitteln und Futtermitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft sind in der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 festgelegt. Die entsprechenden Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in von Tieren stammenden Produkten sind in der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 niedergelegt. Die Richtlinie des Rates 96/23/EG beschreibt Maßnahmen zum Monitoring bestimmter Substanzen und Rückstände, insbesondere von Tierarzneimitteln, bei lebenden Tieren und in von Tieren stammenden Lebensmitteln. Die Häufigkeit der Probenahmen für bestimmte tierische Produkte ist in der Kommissionsentscheidung 97/747/EG niedergelegt. Entsprechend Art. 31 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 („Basisverordnung“) wird die EFSA aufgefordert, eine jährliche Zusammenstellung der Ergebnisse der Monitoringsysteme zu erstellen. Die dabei zu berücksichtigenden Tierkategorien und die von Tieren stammenden Produkte, die in den Monitoringprogrammen erfasst werden, sind Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen, Pferde, Geflügel, Kaninchen, in Gattern gehaltenes („gefarmtes“) Wild, Wildtiere, Aquakulturen, Milch, Eier und Honig.

Umfang der Probenahmen und Untersuchungen

Die im Jahr 2014 in den 28 Mitgliedstaaten der EU untersuchten 736 907 Proben umfassten 425 232 „gezielte“ Proben und 14 097 Verdachtsproben. Darüber hinaus wurden 293 442 Proben im Rahmen anderer Programme auf der Grundlage nationaler Rechtsvorschriften gezogen, und 4 136 Proben wurden im Rahmen von Grenzkontrollen untersucht.

Der Fokus in der Auswertung der Daten liegt bei den „gezielten“ Probenahmen. Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass bei anderen Probenahmestrategien wie der Untersuchung von Verdachtsproben, Importen und anderen Maßnahmen keine zuvor konzipierten Monitoringpläne vorliegen. Daher werden die Ergebnisse dieser Proben getrennt von den Untersuchungsergebnissen der gezielten Probenahmen dargestellt. Die Mehrzahl aller EU-Mitgliedstaaten erfüllte die Anforderungen in Hinblick auf die Probenahmehäufigkeit, wie sie in der Richtlinie 96/23/EG und in der Kommissionsentscheidung 97/747/EG niedergelegt sind.

Die Ergebnisse und deren Bewertung in Kurzform

Unter den 425 232 gezielt („targeted“) entnommenen Proben entsprachen 1 558 (0,37 %) nicht den rechtlichen Vorgaben („nicht konform“). Die wichtigsten Ergebnisse aus dem über 70 Seiten umfassenden Bericht:

  • In der Gruppe A (Stoffe mit anaboler Wirkung („Leistungssteigerung“) und nicht zugelassene Stoffe entsprechend Anhang I der Richtlinie 96/23/EG) wurden hormonwirksame Stilbene bei Schweinen in 0,005 %, Antithyreoid-wirksame Stoffe (Thiouracil – „Beeinflussung der Schilddrüsenfunktion“) in 0,59 % und Steroide bei Rindern (0,06 %), Schweinen (0,20 %) sowie Schafen und Ziegen (0,10 %) nachgewiesen. Die Gehalte an Thiouracil dürften im Wesentlichen auf Futtermittel mit einem höheren Anteil an bestimmten Pflanzen („Kruziferen“) zurückzuführen sein. Die relativ hohen Funde von Substanzen dieser Gruppe bei Schweinen werden mit einer endogenen Produktion (im Tierkörper) erklärt. 0,46 % der Proben entsprachen nicht den Vorgaben für das östrogenwirksame Mykotoxin Zearalenon (Rinder 0,72 %, Schweine 0,18 % sowie Schafe und Ziegen (0,89 %)). Beta-Agonisten mit leistungssteigernder Wirkung („Clenbuterol“) wurden in 0,04 % der Proben und ausschließlich bei Rindern nachgewiesen. Verbotene Wirkstoffe fanden sich in 0,03 % der Proben (Chloramphenicol, Nitroimidazole und Nitrofurane).
  • In der Gruppe B (Tierarzneimittel und Kontaminanten) entsprachen 0,18 % der Proben nicht den Vorgaben. Der höchste Anteil der zu beanstandenden Proben aufgrund antibakterieller Wirkstoffe fand sich in Honig mit 0,72 %. Bei den sonstigen Tierarzneimitteln sind Kokzidiostatika (0,20 %) zu nennen, die sich bei Schweinen (0,02 %), Schafen und Ziegen (0,11 %), Pferden (2,33 %), Geflügel (0,20 %), in Eiern (0,41 %), bei Kaninchen (0,71 %) und bei „gefarmten“ Wild (2,45 %) nachweisen ließen. Höchstmengenüberschreitungen für Anthelminthika („Wurmmittel“) werden bei Rindern (0,04 %), Schweinen (0,03 %), Schafen und Ziegen (0,21 %), Pferden (0,54 %) und in Milch (0,07 %) berichtet. Bei Pyrethroiden (zur Insektenbekämpfung) wurden die Vorgaben bei Pferden (0,78 %) und Honig (0,13 %) nicht eingehalten. Weitere Verstöße werden bei Sedativa (Beruhigungsmittel) und nicht-steroidalen entzündungshemmenden Arzneimitteln sowie einer Reihe anderer pharmakologisch wirksamer Substanzen mitgeteilt.
  • In der Untergruppe B3 (andere Stoffe und Kontaminanten) fanden sich bei den chemischen Elementen („Schwermetalle“) die höchsten Beanstandungsquoten mit 5,41 % (Cadmium, Blei, Quecksilber und Kupfer). Darüber hinaus wurden unerwünschte Befunde bei Organochlor- und Organophosphorverbindungen („Insektizide“) gefunden. Bei Mykotoxinen erfolgten Beanstandungen bei Rindern (5,78 %), Schweinen (2,64 %), Pferden (2,63 %), Geflügel (1,04 %), Milch (0,33 %) und Gatterwild (12,5 %). Vorwiegend wurden Zearalenon und dessen Abkömmlinge, Ochratoxin A und Aflatoxin M1 identifiziert. In Aquakulturen wurden unerwünschte Farbstoffe wie Malachitgrün und Kristallviolett gefunden (1,54 % der Proben).

Bei der Interpretation der übermittelten Daten ist darauf hinzuweisen, dass die Probenahmepläne und die Muster der analysierten Substanzen von Jahr zu Jahr variieren können. Gleiches gilt für die Verschreibungsmuster von Tierarzneimitteln, die zwischen den Tierarten und in Abhängigkeit von der Region erhebliche Unterschiede aufweisen können. Daher kann die Datenanalyse auf EU-Ebene die Rückstandssituation in jedem einzelnen EU-Mitgliedstaat nicht vollständig korrekt wiedergeben. Gleiches gilt naturgemäß auch für die einzelnen Tierarten bzw. Produktkategorien.

QUELLEN:
► „Report for 2014 on the results from the monitoring of veterinary medicinal product residues and other substances in live animals and animal products” vom 25. Mai 2016: www.efsa.europa.eu/sites/default/files/scientific_output/files/main_documents/923e.pdf
► „Monitoring 2014“: www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/01_Lebensmittel/01_lm_mon_dokumente/01_Monitoring_Berichte/lmm_bericht_2015.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Prof. Dr. W. Heeschen

Behr's Verlag