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Montag, 14 März 2016

Statistische Qualitätskontrolle

Hygiene & HACCP | QM & QS

Statistische Qualitätskontrolle
© Rainer Sturm / pixelio.de

Die statistische Qualitätskontrolle hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Managementinstrument entwickelt und versucht die Zusammenhänge zwischen gemessenen Daten und Ihrer direkten Auswirkung auf die Produktqualität zu erklären. In der Lebensmittelindustrie wird schwerpunktmäßig die statistische Normalverteilung von Messwerten gewählt. Sie tritt im Lebensmittelbereich oft auf und deren Aussagekraft kann als wichtige Messgröße für die Leistungsfähigkeit von Produktionsprozessen genutzt werden. Lebensmittel zu produzieren, deren Qualität nicht nachvollziehbar abgebildet und gesteuert werden kann, stellt sowohl ein unternehmerisches als auch ein Verbraucherrisiko dar. Mit Hilfe der statistischen Qualitätskontrolle können diese Risiken deutlich verringert und in Zahlen belegt werden, wie qualitativ hochwertig Lebensmittel produziert werden können und wie leistungsfähig die Prozesse sind.

Übersichtliche Darstellungen von umfangreichem Zahlenmaterial – z. B. Arbeitslosenzahlen, aufgegliedert nach Alter oder Qualifikation, Produktionszahlen der Lebensmittelindustrie, „Fehlerkosten“ einer Lebensmittelfirma – werden als Statistiken bezeichnet.
Statistiken gehören in das große Gebiet der beschreibenden Statistik und liefern oft gute Grundlagen für z. B. wirtschaftspolitische, demographische, qualitätssichernde Entscheidungen.

In der mathematischen Statistik werden ganz allgemein gesehen sogenannte Massenerscheinungen (Massenereignisse) mathematisch behandelt. Dies sind im Wesentlichen Ereignisse, die eine sehr große Menge an Einzelereignissen zusammenfassen. Bekanntestes Beispiel ist die Massenproduktion der Güter des täglichen Bedarfs, wie z. B. Lebensmittel in Tuben, Dosen, Gläsern oder anderen Behältnissen. Mathematische Untersuchungen dieser Massenerscheinungen brachten nicht selten zutage, dass diesen Massenerscheinungen bestimmte Regelmäßigkeiten (Gesetzmäßigkeiten) zugrunde liegen. Diese Gesetzmäßigkeiten gelten dann tatsächlich nur für die Massenerscheinung selbst und nicht für die Einzelerscheinungen aus der betrachteten Massenerscheinung.

So lassen sich z. B. sehr gute (sichere) statistische Aussagen über die Füllgewichtsverteilung einer Tagesproduktion von Mayonnaise im Glas machen. Es kann jedoch nicht angegeben werden, wie viel Gramm Mayonnaise sich in jedem einzelnen Glas befindet, es sei denn, es wird jedes einzelne Glas gewogen (Nettogewicht = Bruttogewicht – Taragewicht). Meist ist es auch nicht wichtig, die Einzelwerte zu kennen.

In der mathematischen Statistik werden sehr häufig Begriffe wie „zufällig“, „stochastisch“, „sicher“, „wahrscheinlich“ und andere verwendet.

Hier ein kurzer Exkurs, um diese Begriffe im statistischen Gesamtzusammenhang zu erläutern.

Hierzu eignet sich besonders gut das leicht nachvollziehbare und leicht vorstellbare Würfeln mit einem gängigen Würfel mit sechs quadratischen Flächen.

Die Tatsache, dass nach dem Wurf eine Zahl oben liegt, bezeichnet man in der Statistik als das Eintreten des Ereignisses „Zahl oben“. Dass unabhängig von den Rahmenbedingungen (Temperatur, Luftfeuchte, Anzahl der Personen im Raum) immer genau eine Zahl oben ist, wird als das Eintreten eines sicheren Ereignisses bezeichnet. Kann ein Ereignis auf keinen Fall eintreten, z. B. die Zahl sieben, so spricht man von einem unmöglichen Ereignis. Ob nun im Einzelfalle die eins, die zwei, die drei oder eine andere Zahl oben sein wird, bezeichnet man als zufälliges Ereignis. Es kann z. B. die Zahl eins oben liegen, sie muss es aber nicht notwendigerweise.

Als zufällige Ereignisse werden demnach ganz allgemein solche bezeichnet, die im Einzelfall wohl eintreten können, es aber nicht zwangsläufig müssen.

Ob das Eintreten eines bestimmten Ereignisses nun als unmöglich, sicher oder zufällig bezeichnet werden kann, hängt grundsätzlich von den umgebenden Bedingungen (Bedingungskomplexen) ab, unter denen dieses Ereignis erwartet wird. Diese z. T. sehr zahlreichen Bedingungen, die sich auch gegenseitig beeinflussen können, richtig zu erfassen, ist häufig sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Wird z. B. die geometrische Gestalt des Würfels gepaart mit anderen Manipulationen geringfügig geändert, so liegen völlig andere Rahmenbedingungen vor und das Eintreten einzelner Ereignisse ist nicht mehr unmöglich oder sicher oder zufällig. Bleibt man dagegen bei einem „normalen“ Würfel, so stellt man nach sehr zahlreichen Würfen fest, dass das Eintreten bestimmter Ereignisse ziemlich stabil ist, d. h., dass die Ereignisse „Zahl 1 oben“ bis „Zahl 6 oben“ alle gleich häufig eintreten, nämlich bei jeweils 16,6 % aller Würfe. Mathematisch formuliert heißt das, dass die Wahrscheinlichkeit P des Eintretens „Ziffer 1 oben“ oder „Ziffer 2 oben“ jeweils 16,6 % beträgt.

Allgemein werden solche zufälligen Ereignisse, die nach genügend zahlreichen Versuchen mit einer stabilen, konstanten Wahrscheinlichkeit eintreten, stochastische oder statistische Ereignisse genannt.

Quelle: Behr‘s Verlag, Einführung in die statistische Qualitätskontrolle

Bild: www.pixelio.de

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