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Dienstag, 03 Juli 2018

Polyamid-Oligomere: Kunststoffbestandteile aus Küchenhelfern

QM & QS

Polyamid-Oligomere: Kunststoffbestandteile aus Küchenhelfern

Laut einer Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) können von „Küchenutensilien“ Bestandteile aus Polyamid (PA) beim Backen, Braten und Kochen in die Lebensmittel übergehen und zu einem möglichen gesundheitlichen Problem werden. Das BfR hat analysiert, wie das Risiko von ringförmigen Oligomeren einzustufen ist, die aus Polyamid der Sorten PA6 und PA66 auf Lebensmittel übertragen werden. Die Experten nutzten aufgrund des Mangels experimenteller toxikologischer Daten zu den PA-Oligomeren die TTC-Methode („Threshold of toxicological concern“).

Diese Methode ermöglicht es, Stoffe, zu denen keine toxikologischen Informationen vorliegen, anhand ihrer chemischen Struktur in (Cramer-)Klassen einzuteilen, wobei jeder Klasse eine maximale tägliche Aufnahmemenge zugeordnet ist, bis zu der eine Gefährdung durch die zugehörigen Stoffe unwahrscheinlich ist. Dazu wird auf umfangreiche Daten zu chemischen Verbindungen, für die bereits ausreichend Informationen über gesundheitliche Risiken vorliegen, zurückgegriffen. Die PA-Oligomere stehen nicht im Verdacht, krebserregend zu sein, daher ist nach dem TTC-Konzept bis zu einer täglichen Aufnahmemenge von 90 µg (0,09 mg) der einzelnen ringförmigen PA-Oligomere (bezogen auf eine 60 kg schwere Person) ein Risiko für die Gesundheit unwahrscheinlich. Untersuchungen der Lebensmittelüberwachung und des BfR zufolge können jedoch aus Küchenutensilien nicht selten höhere Mengen an ringförmigen PA-Oligomeren in Lebensmittel übergehen. Nach Angaben des BfR kann eine abschließende Risikobewertung erst dann erfolgen, wenn ausreichende Informationen aus toxikologischen Studien vorliegen. Das BfR empfiehlt daher, dass die Hersteller toxikologische Daten nach den Vorgaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erarbeiten und dem BfR zur Verfügung stellen.

HINTERGRUND:
Oligomere sind Verbindungen, die sich aus wenigen gleichartigen Molekülen einfacher Kunststoffbausteine zusammensetzen, beispielsweise aus Caprolactam (PA6) oder Adipinsäure (PA66) und Hexamethylendiamin ‒ solche Oligomere entstehen unabsichtlich beim Aushärten (Polymerisieren) des Kunststoffs, die aufgrund ihrer geringen Molekülgröße durch den Kunststoff diffundieren und auf Lebensmittel übergehen können.

QUELLE:
► Stellungnahme Nr. 14 des BfR vom 30.05.2018 (DOI: 10.17590/20180530-110731-0)

Univ.-Prof. Dr. Walther Heeschen
Dipl.-Ing. Agr. Jan Peter Heeschen

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