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Montag, 20 Juni 2016

Die Tiergesundheit bestimmt die Lebensmittelsicherheit!

QM & QS | Recht & Normen

Die Tiergesundheit bestimmt die Lebensmittelsicherheit!
© Peter Böni, www.pixelio.de

Im „One Health-Ansatz“, in dem die Gesundheit von Mensch und Tier in Verbindung mit den Umweltbedingungen in einen „epidemiologischen“ Zusammenhang gebracht wird, besitzt die Tiergesundheit für die gesundheitliche Unbedenklichkeit unserer von Tieren stammenden Lebensmittel einen hohen Rang. Es ist davon auszugehen, dass mehr als 60 % aller menschlichen Infektionskrankheiten vom Tier stammen. Aktuelle Beispiele belegen die Bedeutung dieses „Zoonosepotenzials“ und die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Verbesserung der Tiergesundheit:

  • Die Nutztierimpfung ist nicht nur von hoher ökonomischer Bedeutung und schützt die Tiere, sondern auch den Menschen. Mehr als 100 verschiedene Tierkrankheiten lassen sich heute durch Impfung verhindern, und diese Maßnahmen tragen ganz wesentlich zur Produktion sicherer Lebensmittel und damit zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung bei. So konnten beispielsweise die Salmonellose-Fälle beim Menschen in den letzten Jahren um 40 % durch freiwillige und staatliche Impfprogramme bei Legehennen reduziert werden. Insbesondere der Rückgang der Erkrankungen des Menschen durch Salmonella Enteritidis in Europa führt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) darauf zurück, dass seitens der Mitgliedstaaten Salmonellen-Bekämpfungsprogramme in Geflügelpopulationen eingeführt wurden. In Deutschland kann auch bei Bedarf eine Impfung gegen Salmonella Typhimurium veranlasst werden.
  • Mit der „Köderimpfung bei Füchsen“ konnte die Tollwut in weiten Teilen Europas getilgt werden. Durch diese Art der Tollwutprävention werden nicht nur die Tiere selbst geschützt, sondern auch die Menschen. Das Risiko einer Tollwutinfektion ließe sich durch umfassende und weltweite Impfungen der Hundepopulation deutlich reduzieren. Zwar ist die Tollwut heute in Europa sehr selten geworden, sie spielt aber nach wie vor weltweit eine bedeutende Rolle mit mehr als 50.000 Todesfällen.
  • Sinkende Verkaufszahlen im Antibiotikasegment der Tierarzneimittel sind eindeutige Hinweise darauf, dass die Kontrollmaßnahmen wie die des Antibiotika-Monitorings auf Betriebsebene und sich daraus ergebende Handlungsempfehlungen für die Tierhalter wirksam sind. Die Akzeptanz für den verantwortungsvollen Umfang mit Antibiotika hat sich vor dem Hintergrund der Problematik der Antibiotikaresistenz deutlich erhöht. In 2015 ist nach den vorliegenden Daten der Einsatz von Antiinfektiva bei Tieren um 11,2 % zurückgegangen. Allerdings ist nach den Berichten aus der Tiergesundheitsindustrie von Juni 2016 eine Intensivierung der Krankheitsvorsorge, beispielsweise durch Impfung, nicht erkennbar.

Der Tierarzneimittelmarkt (Daten aus 2014) hat in Deutschland einen Umfang von 771,0 Mio. Euro, in der EU von 5,1 Mrd. Euro und weltweit von 23,9 Mrd. USD (im Vergleich: Humanarzneimittelmarkt 865 Mrd. USD). Die Anteile im Tierarzneimittelmarkt in Deutschland (2015) betragen für Antiinfektiva 20 %, Antiparasitika 19 %, Biologika einschließlich Impfstoffen 27 % und pharmazeutische Spezialitäten 34 %.

QUELLE:
► Bundesverband für Tiergesundheit e. V. (BfT) von Juni 2016:
www.bft-online.de/fileadmin/bft/bft-special/2016-68/Blickpunkt%2081.pdf

Univ.-Prof. Dr. Walther Heeschen
Dipl.-Ing. Agr. Jan Peter Heeschen

 

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