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Montag, 06 Februar 2017

Lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche: Warnung vor dem Rohmilchverzehr

Hygiene & HACCP | Mikrobiologie | QM & QS

Lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche: Warnung vor dem Rohmilchverzehr

In Deutschland werden jedes Jahr Hunderte von Krankheitsausbrüchen registriert, die über mikrobiell kontaminierte Lebensmittel verursacht wurden. In Deutschland werden Daten zu den Erkrankungen lebensmittelbedingter Ausbrüche bzw. den an Krankheitsausbrüchen beteiligten Lebensmitteln über zwei parallel angelegte Meldesysteme, nämlich das IfSG-Meldesystem (Infektionsschutzgesetz) der Gesundheitsbehörden und das BELA-System (Bundeseinheitliches System zur Erfassung von Daten zu Lebensmitteln, die an Krankheitsausbrüchen beteiligt sind) der Lebensmittelüberwachungsbehörden, lokal erfasst. Die Daten werden sodann über die Behörden des Landes an die des Bundes (Robert Koch-Institut – RKI und Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit – BVL) übermittelt. Anschließend werden die Daten vom RKI und BVL gemeinsam bewertet und an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) berichtet. Erstmalig werden die Daten zu lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen in Deutschland aus 2015 jetzt auch in Form eines nationalen Berichts von BVL und RKI gemeinsam veröffentlicht.

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 384 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche über die beiden oben genannten Meldesysteme übermittelt. Im Zusammenhang mit den Ausbrüchen standen mindestens 2.072 Erkrankungen und 224 Krankenhauseinweisungen. Todesfälle wurden nicht berichtet. Bei 28 Krankheitsausbrüchen wurde die Evidenz des Zusammenhanges zwischen den Erkrankungen und einem ursächlichen Lebensmittel entsprechend den vorgegebenen Kriterien als hoch eingestuft. Nachstehend eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:

  • Der größte Anteil (43 %) der Ausbrüche ist dem Erreger ...Campylobacter zuzuordnen. Bei allen Campylobacter-Ausbrüchen mit hoher Evidenz war nicht abgekochte Rohmilch das verursachende Lebensmittel.
  • Weitere Erreger und Agenzien, die Ausbrüche mit hoher Evidenz verursachten, waren Histamin (beispielsweise in Thunfisch) mit 18 %, Salmonella spp. mit 11 % und Bacillus cereus mit 7 %.
  • Staphylococcus aureus, Norovirus, Listeria monocytogenes, Trichinella, Clostridium perfringens und Ciguatoxin verursachten jeweils einen Ausbruch.
  • Der Ausbruch mit den meisten Erkrankungen (n = 159), davon 149 Kinder, wurde durch Listeria monocytogenes verursacht. (Verzehr von Milchreis eines Caterers in einer Einrichtung zur Kindertagesbetreuung)

Die 384 gemeldeten und an das BVL bzw. das RKI übermittelten Ausbrüche stellen nach Auffassung der Sachverständigen nur die Spitze des Eisberges dar. So ist insbesondere bei der Interpretation der Meldezahlen an das RKI zu berücksichtigen, dass es sich hierbei um eine „Sekundärverwertung“ ärztlicher Diagnosen handelt, die einer „fortschreitenden Filterung“ unterliegen.

QUELLE:
► Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 19. Januar 2017:
www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/03_17.pdf?__blob=publicationFile

Newsflash vom 30. Januar 2017, Behr's Verlag

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