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Montag, 31 Oktober 2016

Antihaft-Schichten für Produktionsanlagen

Hygiene & HACCP | Mikrobiologie | QM & QS

Antihaft-Schichten für Produktionsanlagen
© Petra Bork, www.pixelio.de

Allergiker informieren sich beim Einkauf sehr genau über möglicherweise gefährliche Zutaten in verpackten Lebensmitteln. Warnhinweise auf enthaltene Allergene finden sich auf vielen Lebensmittelverpackungen. Selbst strengste Produktionsbedingungen können nicht ausschließen, dass kleinste Mengen von Nüssen, Eier, Soja oder Milch in ein Lebensmittel gelangen. Das Fraunhofer Instituts für Silicatforschung (ISC) könnte mit seinen Antihaft-Lacken für Produktionsanlagen nun eine langfristige, alternative Lösung zu üblichen Verfahren bieten.

Bereits seit längerer Zeit forscht das ISC an funktionellen Beschichtungen für unterschiedlichste Anwendungen, darunter Antistaubschichten. Entwickelt und erfolgreich eingesetzt werden solche Schichten beispielsweise auf Schutzverglasungen der Kölner Domfenster. Die spezielle Beschichtung sorgt dafür, dass sich kaum Staub ansetzt, was somit eine aufwendige Reinigung unnötig macht. In den letzten eineinhalb Jahren testete das ISC die Schutzschicht an 6 verschiedenen Standorten in Wüstenregionen, wo sie auch Sandstürmen standhalten muss.

Seit gut einem halben Jahr prüft das Team von Walther Glaubitt am ISC, ob sich die Beschichtung auch für andere Stäube eignet. Erste Versuche mit Materialien von Druckfarben- und Lebensmittelherstellern laufen bereits erfolgreich. Der nasschemische Lack besteht aus nichtmetallischen, anorganischen Materialien, die durch ihre besondere Strukturierung die Anhaftung von Partikeln bzw. Prozessstäuben an Oberflächen reduzieren – ähnlich dem bekannten Lotuseffekt. Der Lack ist temperaturbeständig, lebensmittelecht, frei von fluorhaltigem Kohlenwasserstoff und omniphob (wasser- und ölabweisend) und zeigt eine dauerhafte Haltbarkeit und Funktionalität. Durch Tauchen oder Sprühen kann die Schicht auf einzelne Anlagenteile aus Glas, Keramik oder Metall aufgetragen und bei 500 °C ausgehärtet werden. Auch bestimmte Kunststoffe lassen sich mit speziellen Lackzusammensetzungen beschichten, die schon bei Temperaturen bis 120 °C aushärten. Auch neue Prozessanlagen lassen sich vor der Montage unter geringem Materialaufwand kostengünstig ausstatten. Da die Beschichtung deutlich weniger als 1 μm dünn ist, bleiben Oberflächen – beispielsweise von Rohren oder Transportbändern – nahezu unverändert.

Mit den Antihaftschichten des ISC könnten die Oberflächen von besonders betroffenen Bauteilen ausgerüstet werden, um zu verhindern, dass sich Partikel festsetzen und nur durch teure Reinigung beseitigt werden können. Für die Lebensmittelindustrie heißt das, dass Spuren von Allergenen in Nahrungsmitteln deutlich reduziert oder sogar ganz verschwunden sein könnten. Ähnliche Vorteile hätten Hersteller von Farbpulvern und Tonern, die auch beim Wechsel von Produktchargen die Farbechtheit garantieren müssen. Auch eine Anwendung in Abfüllanlagen und Lagercontainern ist denkbar.

QUELLE:
Der Qualitätsmanager in der Lebensmittelbranche, Behr's Verlag, Ausgabe 03|2016, S. 21
www.isc.fraunhofer.de

Behr's Verlag