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Montag, 30 Januar 2017

Antibiotikaresistenz – Phagentherapie als neues Werkzeug?

Hygiene & HACCP | Mikrobiologie | QM & QS

Anfang Januar 2017 hat die Ärzte Zeitung unter dem Titel „Kampf gegen MRSA – weist die Phagentherapie den Weg?“ deutlich gemacht, dass die Ausbreitung multiresistenter Keime wie der Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus neue Optionen im Kampf gegen solche Bakterien erfordert. Zwar sind Bakteriophagen seit 100 Jahren bekannt, jedoch wurden die Anfänge der Phagentherapie nicht intensiv weiterverfolgt. Allerdings werden in einigen osteuropäischen Ländern Bakteriophagen zur Behandlung bakterieller Infektionen eingesetzt, aber aussagekräftige Studien liegen bisher nicht vor.

Vor dem Hintergrund der vielen Diskussionen und Berichte in den Medien zur Phagentherapie sind die Ausführungen des „Leibniz-Instituts DSMZ ‒ Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen“ besonders interessant. In Kurzfassung wird Folgendes festgestellt:

  • Bakteriophagen, kurz: Phagen (griechisch: phagein = fressen), sind im biologischen Sinn Viren, die jedoch nur Bakterien angreifen und auflösen („Bakterienfresser“).
  • Phagen nützen überall da, wo Bakterien schaden. Bereits die Entdeckung der Phagen durch Felix d`Herelle im Jahr 1917 war durch einen medizinisch-therapeutischen Denkansatz geprägt, ohne damals die Phagen sichtbar machen zu können (ein Phage ist nur im Elektronenmikroskop sichtbar).
  • Antibiotikatherapie und Phagentherapie haben dasselbe Ziel, nämlich Bakterien abzutöten, und können auch nebeneinander angewendet werden.
  • Hinsichtlich der potenziellen Anwendungsmöglichkeiten ist zu beachten, dass intrazellulär vorkommende Bakterien wie Borrelien durch Phagen nicht oder kaum erreicht werden können.
  • Gegenwärtig ist das Problem bei der therapeutischen Phagenanwendung in Europa das Fehlen eines regulatorischen Rahmens, welcher das spezielle Konzept und die klinische Anwendung ausdrücklich anerkennt. Der rechtliche Rahmen (Richtlinie 2001/83/EG) über medizinische Produkte für die Anwendung am Menschen ist über zehn Jahre alt und lässt offen, ob Phagen medizinische Produkte sind oder anders benannt werden müssten.

Eine überschaubare Zahl klinischer Studien wurde bzw. wird in Westeuropa durchgeführt, um die Sicherheit und Effizienz der Phagen zu beweisen. Phagen müssen jedoch noch als Therapeutikum definiert und in eine novellierte EU-Richtlinie aufgenommen werden. Wünscht ein Patient gemeinsam mit dem behandelnden Arzt eine Phagentherapie, so muss auf gereinigte, charakterisierte und strikt lytische Phagen zurückgegriffen werden. Entsprechende Phagensammlungen sind (beispielsweise in der DSMZ) vorhanden.

In Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit hat das Gremium für biologische Gefahren (BIOHAZ-Gremium) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bereits im Jahr 2009 festgestellt, dass einige Bakteriophagen unter speziellen Bedingungen erwiesenermaßen sehr wirksam sind, um bestimmte Krankheitserreger gezielt aus Fleisch, Milch und daraus hergestellten Erzeugnissen zu beseitigen. Das Gremium konnte jedoch nicht abschließend beurteilen, ob Bakteriophagen im Falle einer Neukontaminierung von Lebensmitteln gegen Bakterien schützen können.

Aus dem derzeitigen Kenntnisstand wird deutlich, dass noch viele Fragen offen sind, aber durchaus hoffnungsvolle Ansätze in Therapie und Lebensmittelsicherheit vorhanden sind. Man darf gespannt sein insbesondere im Hinblick darauf, ob eine wirksame Waffe gegen die Antibiotikaresistenz entwickelt werden kann.

QUELLEN:
► Ärzte Zeitung vom 02. Januar 2017: www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/mre/article/917431/kampf-mrsa-weist-phagentherapie-weg.html
► Leibniz Institut DSMZ ‒ Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH: www.dsmz.de/de/start/aktuelles/phagen-infoseite.html
► EFSA vom 12. Mai 2009: www.efsa.europa.eu/de/press/news/biohaz090512

Newsflash vom 19. Januar 2017, Behr's Verlag

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