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Montag, 04 Juni 2018

Moniliformin in Lebens- und Futtermitteln: EFSA-Bewertung

Hygiene & HACCP | QM & QS

Moniliformin in Lebens- und Futtermitteln: EFSA-Bewertung

Die EFSA sollte im Auftrag der EU-Kommission das Risiko ermitteln, das von der Anwesenheit des Mykotoxins Moniliformin (MON) in Lebens- und Futtermitteln für die Gesundheit von Mensch und Tier ausgeht. Für die Risikobewertung lagen nur wenige Gehaltsdaten (Zeitraum 2001 bis 2016: 3.205 Daten zu Lebensmitteln, 806 zu Futtermitteln, 504 zu Rohgetreide) und Studien zur Toxizität von MON vor. Die Gehaltsdaten zu Lebensmitteln stammten aus den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich sowie aus der Literatur ‒ die Gehaltsdaten zu Futtermitteln aus Österreich, Norwegen, den Niederlanden und Deutschland.

Die meisten Gehaltsdaten lagen unterhalb der Bestimmungsgrenze oder Nachweisgrenze („left-censored“) ‒ dieses galt für 90 % der Lebensmittelproben und 60 % der Futtermittelproben sowie 70 % der Rohgetreideproben. Die höchsten Gehalte wurden bei Lebensmitteln in den Kategorien „Getreidekörner zum (direkten) menschlichen Verzehr“ (Mittelwert: 41,1 μg/kg (LB – „unterer Wert“) bzw. 60,4 μg/kg (UB – „oberer Wert“)), „Snack Food“ und „Frühstückscerealien“ (Mittelwert: 1,5 μg/kg (LB) bzw. 49,4 μg/kg (UB)) analysiert ‒ bei Futtermitteln in der Kategorie „Getreidekörner (Mais: Mittelwert: 69,6 μg/kg (LB) bzw. 73,7 μg/kg (UB), Gerste: Mittelwert: 40,5 μg/kg (LB) bzw. 84,8 μg/kg (UB))“.Durch die Verarbeitung von Lebensmitteln (z. B. Kochen, Backen) lassen sich die MON-Gehalte reduzieren. Beim Mahlen von Getreide findet eine Verteilung von MON statt ‒ die höchsten Anteile finden sich in den Fraktionen Grieß (Semolina) und Mehl.

Aufgrund der begrenzten Toxizitätsdaten konnten für MON keine toxikologischen Referenzwerte (ARfD und/oder TDI) abgeleitet werden. Als kritischer Endpunkt für das akute und subakute Risiko von MON wurde von der EFSA seine Kardiotoxizität gewählt. Das akute Risiko wurde mithilfe einer subakuten Rattenstudie abgeschätzt, in der ein No Observed Adverse Effect Level (NOAEL) von 6 mg/kg Körpergewicht ermittelt wurde. Unter Heranziehung des Margin of Exposure- (MoA-) Ansatzes ergab sich daraus eine Exposition von 4.000 bis 29.000 (Vielverzehrer; UB-Berechnungen). Als kritischer Endpunkt für das chronische Risiko von MON wurde seine Hämatotoxizität gewählt. Das chronische Risiko wurde mithilfe einer Studie an Schweinen abgeschätzt, bei der für die Abnahme der Hämoglobin-Gehalte und des Hämokrits ein Benchmark Dose Lower Confidence Limit-Wert (BMDL05) von 0,20 mg/kg Körpergewicht ermittelt wurde. Unter Heranziehung des MoA-Ansatzes ergab sich daraus eine Exposition von 880 bis 25.000 (mittlerer Verzehr; UB-Berechnungen).

Der EFSA zufolge lässt sich aus den Berechnungen für das akute und das chronische Risiko auf ein geringes gesundheitliches Risiko für den Menschen durch MON in Lebensmitteln schließen ‒ die Unsicherheiten der Risikobewertung sind allerdings hoch. Für Tiere lagen Toxizitätsdaten nur für Schweine, Geflügel und Nerz (Mink) vor. Die Berechnungen der EFSA lassen für diese Tierarten auf ein geringes oder sogar vernachlässigbares Risiko durch MON in Futtermitteln schließen. Die EFSA geht davon aus, dass diese Risikoabschätzung auch für andere Tierarten gilt. Die EFSA weist darauf hin, dass für eine fundierte Risikobewertung weitere Toxizitätsstudien erforderlich sind. Zudem sollten mehr Gehaltsdaten zu MON in Lebens- und Futtermitteln gesammelt werden.

HINTERGRUND:
Moniliformin (MON) ist ein Mykotoxin, das in erster Linie von Schimmelpilzen der Gattung Fusarium gebildet wird ‒ es tritt im Wesentlichen in Getreide auf, zum Teil auch zusammen mit anderen Fusarientoxinen.

QUELLE:
► EFSA Journal vom 02.03.2018 (DOI: 10.2903/j.efsa.2018.5082)

Univ.-Prof. Dr. Walther Heeschen
Dipl.-Ing. Agr. Jan Peter Heeschen

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