Mittwoch, 11. Dezember 2019

Passwort vergessen?
Montag, 10 Juli 2017

Hantaviren – begünstigt der Klimawandel die Verbreitung?

Hygiene & HACCP | QM & QS

Hantaviren – begünstigt der Klimawandel die Verbreitung?

Am 15. April 2017 stand in der Welt ein ganzseitiger Artikel mit dem Titel „Hier lauern unheimliche Viren“. Gemeint waren Hantaviren, die weltweit und als unterschiedliche Hantavirus-Spezies verbreitet sind. In Nord und Westeuropa findet sich nahezu ausschließlich das PUUV-Hantavirus („Puumalavirus“). Der Name der Viren leitet sich vom koreanischen Grenzfluss Hantan ab. Während des Koreakrieges Anfang der 1950er-Jahre erkrankten dort mehr als 3 000 Soldaten an einem schwer verlaufenden hämorrhagischen Fieber. Das Virus wurde erstmals 1977 isoliert. Die natürlichen Wirte der Hantaviren sind verschiedene Nagetiere, insbesondere Rötelmäuse (Myodes glareolus). Die Viren werden von den infizierten Nagern über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden, sodass sich der Mensch über den Kontakt mit den Ausscheidungen von infizierten Nagern direkt, aber auch über Lebensmittel infizieren kann.

In Deutschland zählen zu den Hantavirus-Gebieten mit einem erhöhten Risiko die Schwäbische Alb, der Raum Osnabrück, Unterfranken, der Odenwald, Oberschwaben, die Fränkische Alb, der Bayerische Wald, Osthessen und Westthüringen. Hantavirus-Infektionen kommen das ganze Jahr über vor. Allerdings ist die Infektionsgefahr besonders hoch in den Frühjahrs- und Sommermonaten von Mai bis September. Die in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Hantavirus-Infektionen schwanken stark von Jahr zu Jahr. In der Mehrzahl der Jahre werden 300 bis 500 Fälle gemeldet, im Jahr 2010 jedoch 2 016 und 2012 sogar 2 825 Fälle. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Infektionen in der Tendenz deutlich erhöht und allein in den ersten drei Monaten 2017 wurden 136 Fälle berichtet. Prognosen allein für Baden-Württemberg gehen von über 2 000 Hantavirus-Infektionen aus.

Forschungsvorhaben in jüngerer Zeit haben die Zusammenhänge zwischen Wetterereignissen bzw. Klimaveränderungen und der Entwicklung von Rötelmaus-Populationen in Deutschland und die Beziehungen zu Hantavirus-Erkrankungen bearbeitet. In einem Forschungsprojekt unter Beteiligung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) konnte belegt werden, dass Wetterszenarien mit der Population von Hantaviren übertragenden Rötelmäusen korreliert sind. Darüber hinaus wirkt sich die Buchenmast stark auf die Rötelmaus-Populationen aus. Gleichzeitig steigt bei einer hohen Populationsdichte die Anzahl serologisch positiver Rötelmäuse und damit die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf den Menschen an. Veränderte Klimabedingungen dürften in Zukunft die Populationsdynamik von Rötelmäusen beeinflussen und so zu einem erhöhten Risiko der Hantavirus-Übertragung auf den Menschen führen. Das Risiko einer Hantavirus-Infektion kann grundsätzlich durch Vermeidung eines Kontakts zu Nagern und deren Ausscheidungen sowie durch bestimmte Vorsichtsmaßnahmen verringert werden. Dieses gilt insbesondere für bekannte Endemiegebiete, in denen diese Zoonose heimisch ist. Die vom RKI empfohlenen Maßnahmen betreffen neben der Bekämpfung von Mäusen und den Empfehlungen für die Beseitigung von toten Mäusen und Mäuseausscheidungen insbesondere auch den Lebensmittelbereich. So sollten Lebensmittel für Nager unzugänglich in dicht schließenden Schränken, Metall- oder Plastikbehältern aufbewahrt werden und Essensreste sachgerecht entsorgt werden. Mögliche Eintrittsstellen ins Haus sowie Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten sollten ausfindig gemacht und abgedichtet bzw. beseitigt werden.

QUELLEN:

► Welt vom 15.04.2017: www.welt.de/print/die_welt/wissen/article163727961/Hier-lauern-unheimliche-Viren.html
► Robert-Koch-Institut (RKI): www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/Hantavirus/Hantavirus.html?cms_box=1&cms_current=Hantavirus-Infektionen&cms_lv2=2397632
► Julius Kühn-Institut (JKI): ojs.openagrar.de/index.php/JKA/article/view/84

► Auszug aus FOOD & HYGIENE, Ausgabe 06/2017, S. 2, Behr's Verlag

Interessantes im Behrs Shop

Behr's Verlag