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Montag, 29 Mai 2017

Lebensmittelunverträglichkeiten – ein komplexes Geschehen von der Allergie bis hin zu Intoleranzen

QM & QS | Gesundheit

Lebensmittelunverträglichkeiten – ein komplexes Geschehen von der Allergie bis hin zu Intoleranzen

Kuhmilch, Hühnereier, Fische, Nüsse und viele andere Lebensmittel können Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen, die von Hautveränderungen, Übelkeit und  Durchfall bis hin zu Atemnot und Kreislaufversagen mit Todesfolge reichen.

Die 14 häufigsten Auslöser von Lebensmittelallergien und Lebensmittelunverträglichkeiten sind im Anhang II der EU-Verordnung 1169/2011 (Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV)) aufgelistet. Diese Stoffe müssen immer in der Zutatenliste gekennzeichnet werden.

Lebensmittelunverträglichkeiten mit unterschiedlichen Mechanismen
Abzugrenzen von der Lebensmittelallergie sind die Lebensmittelunverträglichkeiten, die auf andere Mechanismen zurückgehen, obwohl viele Symptome insbesondere im Magen-Darm-Trakt wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall ähnlich sind. Die wichtigsten Lebensmittelunverträglichkeiten lassen sich wie folgt charakterisieren:

Fruchtzuckerunverträglichkeit oder Fruktoseintoleranz:
Fruktose wird über ein Transporteiweiß ins Blut Geschleust. Diese „Fruchtzucker-Schleuse“ funktioniert bei vielen Menschen nur eingeschränkt. Das Vorliegen einer Fruktoseintoleranz kann mit einem „Wasserstoff- (H2-)Atemtest“ festgestellt werden. Gegebenenfalls sollten bei diagnostizierter Intoleranz fruchtzuckerreiche Lebensmittel wie Trockenfrüchte, Obstsäfte etc. nur in Maßen genossen oder darauf komplett verzichtet werden.

Milchzuckerunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz:
Der Grund hierfür ist ein Enzymmangel, sodass der Milchzucker nicht in die Monosaccharide Galaktose und Glukose aufgespalten werden kann. Wird von dem Enzym Laktase (ß-Galaktosidase) zu wenig gebildet, gelangt der Milchzucker in den Dickdarm, wird dort von den Darmbakterien verstoffwechselt, sodass es zu Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen kommt. Die Laktoseintoleranz lässt sich ebenfalls durch einen Wasserstoff-Atemtest feststellen. Bestimmte Milchprodukte sind allerdings ohne Probleme verträglich. So ist Hartkäse weitgehend laktosefrei, und im Handel sind zahlreiche Milchprodukte verfügbar, in denen der Milchzucker bereits aufgespalten ist und die daher gut vertragen werden.

Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie:
Bei dieser Lebensmittelunverträglichkeit ist die Darmschleimhaut durch das Vorhandensein des Klebereiweißes Gluten entzündet. Gluten wird durch das körpereigene Abwehrsystem als „Feind“ erkannt und löst eine mit einer Entzündung einhergehende Reaktion an der Darmschleimhaut aus. Das Klebereiweiß kommt in Getreide wie Weizen und Roggen vor und damit in sehr vielen Lebensmitteln. Bei Glutenunverträglichkeit muss auf die entsprechenden Getreidesorten verzichtet werden.

Histaminunverträglichkeit oder Histaminintoleranz („Histaminose“):
Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der in einer Reihe von Lebensmitteln in erhöhten Mengen vorkommen kann. Bestimmte Menschen können Histamin aus der Nahrung nur langsam oder unvollständig abbauen. Die Ursache hierfür ist ein Mangel der histaminabbauenden Enzyme Diaminoxidase (DAO) und/oder der Histamin-NMethyltransferase (HNMT) bzw. ein Missverhältnis zwischen Zufuhr und Abbau des Histamins. Etwa 1 % der europäischen Bevölkerung sollen betroffen sein, 80 % der erkrankten Patienten sind weiblich und mittleren Alters. Die möglichen Symptome nach Aufnahme histaminreicher Nahrung sind Hautveränderungen, Kopfschmerzen, asthmaähnliche Symptome, Blähungen, Durchfall und Verstopfung sowie Übelkeit, Bluthochdruck und Müdigkeit. Histamin (ebenso wie das biogene Amin Tyramin) kann in bakteriell fermentierten Lebensmitteln entstehen. Häufig genannt werden Salami, Schinken, Fischprodukte (Fischkonserven!), Meeresfrüchte, gereifte Käsesorten, Sauerkraut, Bier, Rotwein, Schokolade und viele andere. Alkoholkonsum soll die Durchlässigkeit der Zellwände steigern und senkt damit die Histamintoleranzgrenze. Dieses wirkt sich insbesondere beim Mischen von Alkohol mit histaminreicher Nahrung wie Rotwein, Käse oder Schokolade aus. Auch in mikrobiell „verdorbenen“ Lebensmitteln können erhöhte Histaminmengen auftreten.

Da viele Beschwerden bei der Histaminunverträglichkeit mit denen anderer Lebensmittelunverträglichkeiten vergleichbar sind bzw. nicht unterschieden werden können, müssen Verdachtsdiagnosen bestätigt werden. Eine Provokation sollte jedoch grundsätzlich unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Die Grundlage der Behandlung besteht im Einhalten einer histaminarmen Diät. Darüber hinaus sind bei Vorliegen einer Histaminintoleranz solche entzündungshemmenden und schmerzhemmenden Medikamente zu vermeiden, die die Histaminfreisetzung steigern bzw. die Histamin abbauenden Enzyme hemmen. Als Beispiele zu nennen sind die Schmerzmittel Acetylsalicylsäure („Aspirin“), Metamizol („Novalgin“) und Diclofenac („Voltaren“), das schleimlösende Expektorans Ambroxol („Mucosolvan“), Antibiotika wie Chlortetrazyklin und Amphotericin B und viele andere.

QUELLE:
FOOD & HYGIENE, Ausgabe 10/2016, S. 20 f., Behr's Verlag

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