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Donnerstag, 20 August 2015

Darmmikrobiota – Anpassung an Gift und Antibiotika

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Darmmikrobiota – Anpassung an Gift und Antibiotika
© redsheep / www.pixelio.de

Nach Angaben von Forschern des zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörenden Istituto di Tecnologie Biomediche können die im menschlichen Verdauungsapparat enthaltenen Mikroorganismen vor den Auswirkungen von Mangelernährung und toxischen Substanzen schützen. In der Studie wurden Darm-Bakterienstämme der tansanischen Volksgruppe der Hazda, eine der letzten Populationen weltweit, die sich noch überwiegend aus ihrer Tätigkeit als Jäger und Sammler ernähren, untersucht. Verglichen wurden diese wurden mit denen der Einwohner der italienischen Stadt Bologna. Laut Projektleiterin Clarissa Consolandi spielen die Darmbakterien eine entscheidende Rolle bei dem für die Gesundheit notwendigen energetischen Gleichgewicht. Darmbakterien der Hazda sind in der Lage, die in für sie weitgehend „fremden Nahrungsmitteln“ (z. B. Milch, Eier) vorkommenden essenziellen Aminosäuren zu erzeugen. Die untersuchten Darmbakterien der Bologneser können dagegen essenzielle Aminosäuren synthetisieren, welche in bei ihnen weniger verzehrten Lebensmitteln (z. B. Soja, Reis) enthaltenen sind. Zudem besitzen die Darmbakterien der Italiener die Fähigkeit, toxische Substanzen wie das aus der Ölproduktion stammende Naphthalen und die zur Lebensmittelkonservierung verwendete Benzoesäure abzubauen.

Die vielfältigen Eigenschaften des menschlichen Darms sind eine adaptive Reaktion auf xenobiotische Einflüsse, denen vor allem die städtische Bevölkerung ausgesetzt ist. Darüber hinaus ist die Darmmikrobiota der Hazda laut den Wissenschaftlern zufolge auf Polysaccharide aus faserreichen Pflanzen und die der Italiener eher auf Einfachzucker (z. B. in Nudeln oder Brot) eingestellt. Anhand der Bakterienvergleiche mit der tansanischen Volksgruppe konnte zudem nachgewiesen werden, dass die starke Verwendung von Antibiotika nicht nur zur Bildung neuer Bakterienstämme, sondern auch zur Mobilität zwischen Mikroorganismen führt und die Entwicklung wirksamer Antibiotika erschwert.

► Pressetext.Redaktion vom 25.06.2015
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Weitere Informationen finden Sie im Fachbuch Sicherheitsrelevante Stoffe in Lebensmitteln: Toxikologie.

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