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Dienstag, 28 Juli 2015

Chile: Gallenblasenkrebs durch Aflatoxine

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Chile: Gallenblasenkrebs durch Aflatoxine
© w.r.wagner / pixelio.de

Der Konsum von mit Aflatoxinen kontaminierten Speisen ist vermutlich für die ungewöhnlich hohe Rate von Gallenblasenkrebs in Chile verantwortlich. Karzinome der Gallenblase treten in Chile sehr häufig auf. Bei Frauen sind diese noch vor Malignomen von Brust, Lungen oder Gebärmutterhals die häufigste Krebstodesursache. Bei Männern ist die Sterberate halb so hoch, damit aber immer noch deutlich höher als in anderen Ländern. Am häufigsten betroffen sind ärmere Schichten und hier vor allem die indigenen Mapuche. Die Gründe waren bislang unbekannt.

Im Verdacht steht Aji rojo, ein aus roten Chilischoten hergestellter Pfeffer, der häufig mit Schimmelpilzen kontaminiert ist. Schimmelpilze produzieren Aflatoxine, die bereits in einer geringen Konzentration eine krebsauslösende Wirkung haben. Bislang wurden Aflatoxine vor allem mit Leberkrebs in Verbindung gebracht. Forscher um Catterina Ferreccio (Päpstliche Katholische Universität in Santiago) haben jedoch überzeugende Hinweise dafür gefunden, dass Aflatoxine auch Gallenblasenkrebs verursachen können. Die Forscher konnten Addukte, die Aflatoxine mit Albuminen im Blut bilden, bei 23 von 36 Patienten (67 %) mit Gallenblasenkrebs nachweisen. Bei Patienten mit Gallensteinen wurden die Addukte nur zu 18 % und in einer dritten Gruppe von Gesunden nur zu 23 % nachgewiesen. Die Konzentration der Addukte war bei den Gallenblasenpatienten mehr als doppelt so hoch wie in den beiden Kontrollgruppen.

KOMMENTAR:

Catterina Ferreccio (Päpstliche Katholische Universität in Santiago): „Wir können zwar nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, dass das Krebsleiden die Bildung der Addukte verursacht hat (reverse Kausalität) ‒ die Addukte können allerdings nur entstehen, wenn Aflatoxine mit der Nahrung aufgenommen werden.“

► Deutsches Ärzteblatt vom 27.05.2015
► JAMA (2015, 313, 2075-2076)

Bild: www.pixelio.de

Weiter Informationen finden Sie in folgendem Werk:

Mikrobiologische Untersuchung von Lebensmitteln

Behr's Verlag