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Montag, 18 Januar 2016

Bedarfsgegenstände – Europäische Regelungen zu Kunststoffen im Lebensmittelkontakt

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Bedarfsgegenstände – Europäische Regelungen zu Kunststoffen im Lebensmittelkontakt
© ehuth / pixelio.de

Kunststoffe im Lebensmittelkontakt sind in der Europäischen Union in der europäischen  Kunststoffverordnung (EU) Nr. 10/2011 geregelt. Dabei fallen im Gegensatz zu den vorherigen Regelungswerken auch Kunststoffschichten in Mehrschichtverbundmaterialien und Kunststoffe, die als Dichtungsmassen beispielsweise in Schraubdeckeln eingesetzt werden, unter den Anwendungsbereich der Verordnung.
In der Kunststoffverordnung sind Grenzwerte für die Globalmigration festgelegt, die als Maß für die Inertheit einer Kunststoffverpackung verstanden wird. Damit kann die Globalmigration als Konkretisierung der Anforderung aus Artikel der EU-Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 interpretiert werden, dass Materialien und Artikel im Lebensmittelkontakt keine unvertretbare Veränderung in der Zusammensetzung des Lebensmittels hervorrufen dürfen. Der Grenzwert für die Globalmigration beträgt 60 mg/kg bzw. 10 mg/dm2. Darüber hinaus legt die Kunststoffverordnung für eine große Zahl von Monomeren und Additiven Grenzwerte für den Übergang auf Lebensmittel vor. Diese Grenzwerte werden als spezifische Migrationsgrenzwerte (SML) bezeichnet.
Aber auch Substanzen, die dem Kunststoff nicht absichtlich zugesetzt werden wie Abbauprodukte der oben genannten Additive oder nicht vollständig polymerisierte Restoligomere sind nach der EU-Kunststoffverordnung zu berücksichtigen. Artikel 19 fordert, dass solche non-intentionally added substances (NIAS) dahingehend bewertet werden, ob sie den allgemeinen Grundsätzen des Artikel 3 der Rahmenverordnung genügen, insbesondere, dass sie die menschliche Gesundheit nicht gefährden dürfen.
Zur besseren und einheitlichen Interpretation und Anwendung der Kunststoffverordnung hat die Europäische Kommission zum gegenwärtigen Zeitpunkt zwei Leitlinien herausgegeben:

  •  Union Guidance as regards information in the supply chain: 
    Dieses Dokument gibt spezifische Hinweise zur Konformitätserklärung nach Anhang IV der Kunststoffverordnung und benennt Verantwortlichkeiten innerhalb der Lieferkette.
  • General Guidance Document:
    Dieses erläutert viele, zum Teil unklare bzw. nicht eindeutig definierte Aspekte der Kunststoffverordnung wie beispielsweise den Anwendungsbereich oder welche Substanzklassen von der Verordnung erfasst werden und welche nicht.

Darüber hinaus sind zurzeit zwei weitere Guidance Documents in Ausarbeitung, die sich mit Fragen der Migrationsprüfung sowie des Migrationsmodellings beschäftigen.
Mit der Verordnung (EU) Nr. 284/2011 hat die Europäische Kommission eine gesetzliche Grundlage zur regelmäßigen Kontrolle von Melaminartikeln, die aus China und Hongkong importiert werden, erlassen. Damit hat die Kommission auf wiederkehrende Grenzwertüberschreitungen solcher Produkte reagiert. Die Verordnung legt aber keine von der Kunststoffverordnung abweichenden Grenzwerte fest, sondern schreibt nur die analytische Überprüfung solcher Artikel vor.
Die Verordnung (EG) Nr. 282/2008 legt Anforderungen an Recyclingverfahren fest. Das Verfahren mit dem post-consumer-Kunststoffe gereinigt werden, muss durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet werden und die Verfahren müssen in einer Positivliste aufgeführt sein.
Die Verordnung (EG) Nr. 450/2009 über aktive und intelligente Materialien legt fest, dass die EFSA Substanzen, die in aktiven und intelligenten Verpackungen eingesetzt werden evaluieren muss und für solche Substanzen ebenfalls eine Positivliste führt. Als aktive Materialien werden dabei Materialien verstanden, die die Lebensdauer eines Lebensmittels aktiv verlängern in dem beispielsweise der Sauerstoffgehalt aus dem Kopfraum einer Verpackung durch Absorber reduziert wird. Als intelligente Verpackungen werden solche bezeichnet, die eine Aussage über den Zustand eines verpackten Lebensmittels erlauben indem sie beispielsweise eine Unterbrechung der Kühlkette anzeigen.

Nationale Regelungen zu Kunststoffen im Lebensmittelkontakt
Über die Europäischen Anforderungen hinaus gibt es in Deutschland keine nationalen Anforderungen an Kunststoffe im Lebensmittelkontakt.
Die Bedeutung der Empfehlungen zur gesundheitlichen Beurteilung von Kunststoffen aus dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nehmen durch die zunehmend Europäischen Regelungen ebenfalls immer mehr ab. Gegenwärtig plant das BfR die Empfehlungen, die Kunststoffe im Sinne der Kunststoffverordnung behandeln in einer einzigen Empfehlung zusammenzufassen und nur die Aspekte zu regeln, die nicht durch die europäische Gesetzgebung abgedeckt sind, wie zum Beispiel Katalysatoren oder Polymerisationshilfsstoffe.


Quelle: Bedarfsgegenstände 1. Auflage 2016 B. Behr‘s Verlag

Bild: pixelio.de

Behr's Verlag